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unsicherheit

ein mensch, mir gegenüber sitzt, ein mensch mit einer geschichte, die sich nur wenige vorstellen können.

sitzend, wartend, hoffnungslos, ohnmächtig, ohne sinn.
ohne vorstellung, dass ein gespräch an der situation, an der Geschichte etwas verändern könnte.

strukturierte leere, von michael schrotter

 

ich habe die idee, die struktur die ich in den letzten gesprächen geboten habe wegzulassen. zu sehen, was möglich ist, welcher weg gangbar.

wir sitzen uns gegenüber, wir sehen uns, wir sehen uns direkt in die augen. ein moment der berührung, ein blick der mehr offenbart als viele worte. ein moment, in dem eine andere wirklichkeit entsteht.
es entsteht dieser raum, ein raum der achtsamkeit, der wertschätzung und der unmittelbarkeit. nichts in diesem Moment, nichts als dieser Augenblick ist wichtiger. und ich spüre, wie traurigkeit in mein bewusstsein steigt. unergründlich, woher sie kommt, was sie meint, egal.

langsam kommt die sprache wieder, eine sprache, die dieser ohnmächtigkeit ausdruck verleiht, die den grund für unser beisammensein relativiert.

„ich glaube es fehlt mir noch an bereitschaft“, höre ich. gleichzeitig kommt ein schwall dieser schwere auf mich zu, erdrückt mich und ich halte es, gehe darauf ein, lasse es einfach sein.

„atmen!“ sage ich, eigentlich auch zu mir.

was fehlt, was kann ich bieten. unsicherheit macht sich breit.
es ist OK, es nichts zu tun. wahrnehmen.
doch, wer ist dieser teil in mir? was haltet dieser teil nicht aus? ein teil, der mich treibt, der mich für den anderen arbeiten lässt. und gleichzeitig die angst, dass ich aus der situation etwas mache, wo mein gegenüber nicht hin will. unsicherheit macht sich breit. ich kämpfe mit meiner arroganz, die vor allem zu wissen glaubt, wie das leben für andere funktioniert.

ich besinne mich wieder auf den raum und blicke voller freude auf die begegnung.

12 Gedanken zu „unsicherheit“

  1. wunderbar: es ist doch erstaunlich, wie wenig es braucht, um so eine Begegnung zu etwas fruchtbarem werden zu lassen: Stille (=no reaction, no resistance), Raum, Beobachten (ohne zu erklären, zu bewerten, zu anaysieren …) so entsteht Energie. Du bist ein Profi, freu‘ dich daran. Und! Das hat überhaupt nichts mit Arroganz zu tun, wie du am Ende deiner Textes schreibst.
    alsdann … heiter weiter
    Dionysos

  2. lieber dionysos,
    danke fuer deine aufmunternden worte.
    es ist manchmal nicht leicht fuer mich, diese spannung zu halten und diese unsicherheit ist halt auch ein teil von mir.
    liebe gruesze,
    michael

  3. Lieber Michael,
    ich kenne diese Unsicherheit so gut – danke für die Schilderung deiner Erfahrung, die auf virtueller Ebene Begnung und Berührung zu läßt.
    Weiterhin viel Vertrauen und Kraft zur Annahme all dessen, was ist, wünscht dir mit lieben Grüßen
    Marina

  4. Lieber Michael,
    ich glaube, das Bedürfnis, nicht alleine zu sein in unseren Erfahrungen und auf unseren Wegen, ist so tief, fast schmerzlich tief, dass es uns zu ganz, ganz vielem bewegen kann. Ich fühle es oft!
    Alles Liebe!
    Marina

  5. Hab jetzt schon ein paar Sachen von dir gelesen , gefällt mir zum überwiegenden Teil gut aber ein haupthema bei dir ist Schmerz/leid und das macht mich traurig.

    1. ja, der schmerz ist gerade thema. ich habe diesen schmerz lange in mir getragen, nun ist rs an der zeit ihn loszulasse. und, es ist nicht nur mein schmerz, ich arbeite mit mensche, komme in beruerung mit deren geschichte. es ist eine beruerende arbeit – diesen blog hier, nutze ich als ventil.
      ja, diesen schmerz gibt es un ich freue mich darueber. warum? weil er nicht in mir bleibt!
      danke fuer deine rueckmeldung,
      herzlichst,
      michael

  6. Lieber Michael, lieber Theo,
    ein heilsames Umgehen mit Schmerz ist oft so paradox finde ich. Einerseits gibt es das Wissen und etliche Erfahrungen sind in mir, dass es hilft, den Schmerz, wenn er nun mal da ist, zu zu lassen und ihn an zu nehmen. Doch andererseits fällt es mir oft so schwer, den Schmerz da sein zu lassen und ihn fühlen zu wollen, eben weil es weh tut. Was mir dabei oft hilft, ist ein annehmendes liebevolles Gegenüber, sei es nun ein Mensch oder auch ein von mir vorgestelltes göttliches Wesen, bzw. der göttliche Teil meines Seins.
    Vielleicht ist ja auch hier im Blog ein Wunsch nach solch einem ermutigenden annehmenden Miteinander da… In mir kann ich ihn spüren.
    Zum Thema „Hingabe an den Schmerz“ habe ich mal eine Geschichte gemacht und sie in meinem Blog gerade eben hinein gesetzt. Vielleicht mögt Ihr ja mal schauen bei http://marinakaiser.wordpress.com/category/geschichten/
    Seid herzlich gegrüßt von
    Marina

    1. liebe marina, ja, in meinem blog ist dieser wunsch, den du ansprichst. die grundidee ist einfach mich mit zu teilen, ohne absicht – es ist ein ausdruck dessen was in mir vor geht, eine oeffnung die ich geschehen lasse. und, ich kann’s jeden nur empfehlen.
      mein schoenstes erlebniss mit schmerz war, dass er einfach da sein durfte, ich begegnete ihm mit meiner liebe, nicht mit dem widerstand, den ich sonst gelebt habe. kaum zu glauben wie leicht es dann geworden ist. verschwunden ist er nicht, der schmerz, doch tragbar – eben mit einem laecheln in meinem herzen.
      herzlich,
      michael.

  7. Lieber Michael,
    ich durfte diese Erfahrung auch schon machen, wie wohltuend es ist, wenn es mir gelingt, den Schmerz mit dem zärtlichen Verständnis meines Herzens zu betrachten und ihn da sein zu lassen (leider schaffe ich es nicht immer). Auch manchmal die Tränen und den Schmerz mit anderen Menschen teilen zu dürfen, ist ein besonderes Geschenk, finde ich!
    Es schafft Nähe, dass du dich hier so frei mitteilst, und das ist ein wohltuendes Gefühl. Danke!
    Sei herzlich gegrüßt von
    Marina

  8. liebe marina,
    was bedeutet es zu schaffen, und welchen anspruch haben wir an uns selbst, wenn wir es immer schaffen möchten? mit der energie des herzens gelingt es uns auch dinge anzunehmen, die nicht unseren ideealen entsprechen. auch das ist heilsam, nicht immer zu müssen oder zu können. in meinem kurs körperbewusstsein ist dieses thema oft präsent. die teilnehmer haben den anspruch immer alles gleich zu können – so sond wir konditioniert, so funktioniert unsere geselschaft. meine antwort ist darauf meist, dass es eben eine übung ist, nicht eine könnung.
    mich frei mitteilen? es ist eine herausforderung für mich, sehe mich doch eher als einen menschen der sich eher verschließt – es ist was ich übe, und es ist sehr heilsam es zu versuchen. es ist so nährend, diese begegnungen hier, in einer „virtuellen welt“, erleben zu dürfen.
    schicke dir ein lächeln,
    michael.

  9. danke, lieber Michael,
    besonders für die Erinnerung, dass wir nichts schaffen und können müssen. Ja, das meine ich auch – aber immer wieder vergesse ich es. Eine Übung – keine Könnung – das ist humorvoll und genial formuliert! Daran werde ich hoffentlich öfter einmal denken und schmunzeln.
    Übrigens finde ich, dass du die Herausforderung des Dich-Mitteilens berührend und authentisch annimmst.
    Auch mich berühren die Begegnungen hier – und ich danke dir für das Lächeln, das du mir schickst. Es kommt an – und meine Züge beginnen auch zun lächeln…
    Alles Liebe
    Marina

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